Stiftung von Todes wegen

Errichtung einer Stiftung von Todes wegen durch letztwillige Verfügung

Die Errichtung einer Stiftung von Todes wegen durch letztwillige Verfügung stellt eine hervorragende Möglichkeit dar, den Nachlass nach eigenen Wünschen dauerhaft zu regeln. Sind keine Erben vorhanden oder sollen bestimmte Personen zwar bedacht, aber in Ansehung der Erbmasse dauerhaft beschränkt bleiben, bietet die Stiftung von Todes wegen eine in der Erb- und Steuerrechtspraxis noch viel zu wenig bedachte, gleichwohl interessante Gestaltungsoption. Man unterscheidet gemeinnützige und privatnützige Stiftungen sowie selbständige und unselbständige Stiftungen von Todes wegen.

Wird die Stiftung von Todes wegen durch letztwillige Verfügung gegründet, behält der Erblasser zu Lebzeiten die vollständige Verfügungsbefugnis über sein Vermögen. Gerade zukünftige Erblasser, deren Vermögen nicht so groß ist, dass das bereits zu Lebzeiten Vermögen in eine Stiftung eingebracht werden kann, ohne dass sich dies auf die eigene Einkommens- und Vermögenssituation und die eigene Lebensqualität merklich auswirkt, werden diese Alternative wählen.

Zuwendungen an Stiftungen, gleichgültig ob der Stiftung lebzeitig übertragen oder von Todes wegen als Erbrechtsstiftung ausgestaltet, bieten einen erheblichen steuerlichen Vorteil. Zuwendungen an gemeinnützige Stiftungen sind nämlich regelmäßig gem. § 13 Abs. 1 Ziff. 16 ErbStG erbschafts- und schenkungssteuerfrei. Der Gesetzgeber unterscheidet hierbei auch nicht, ob es sich um eine Erstdotation aufgrund Stiftungsneugründung oder um eine Zustiftung, die das Stiftungsvermögen einer bereits bestehenden Stiftung erhöht, handelt.

Auch die Übertragung von steuerverstricktem Privatvermögen (z.B. Immobilien oder Wertpapiere innerhalb der Spekulationsfristen sowie Beteiligungen an einer Kapitalgesellschaft) oder von Betriebsvermögen oder von Mitunternehmeranteilen des Stifters auf eine gemeinnützige Stiftung führt grundsätzlich nicht zur Aufdeckung stiller Reserven beim Zuwendungsempfänger. Auf diese Weise lassen sich erhebliche stille Reserven des Privat- oder Betriebsvermögens auf eine gemeinnützige Stiftung steuerfrei übertragen und dort für gemeinnützige Zwecke dauerhaft nutzen.

Eine Stiftung von Todes wegen kann aber nicht nur als gemeinnützige Stiftung, sondern auch als privatnützige Stiftung, insbesondere als Familienstiftung, gegründet werden. Familienstiftungen verfolgen private und wirtschaftliche Zwecke. Anders als eine Kapital- oder Personengesellschaft hat eine Familienstiftung keine Gesellschafter. Sie besteht als rechtsfähige Stiftung nur aus dem Vermögen und einer Satzung, in der bestimmt wird, zu welchem Zweck das Vermögen verwendet werden darf und wie die Organe strukturiert sind, die es verwalten. Die Familienstiftung hat häufig genau festgelegte Begünstigte, auch Destinatäre genannt. Das sind diejenigen Personen, denen die Erträge des Stiftungsvermögens zufließen (häufig die Abkömmlinge des Stifters). Das Stiftungsvermögen selbst wird erhalten und nicht aufgeteilt, solange die Stiftung besteht. Die Familienstiftung bietet daher gerade bei großen Vermögen oder Unternehmen, die nicht geteilt werden sollen, eine sehr interessante Gestaltungsoption, um den Nachlass dauerhaft über viele Generationen hinweg zum Vorteil bestimmter Personen einzusetzen.

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Prof. Dr. Jan Roth